Körperfülle und Mangeldenken

Was hat die Körperfülle mit Mangeldenken zu tun? 

Das ist doch unlogisch oder nicht? Wenn mehr wiege als gut für mich ist, dann hat das doch damit zu tun, dass ich zu viel esse und nicht zu wenig, d.h. ich bin doch nicht im Mangel.

Das stimmt und es stimmt auch wieder nicht! 

Mangeldenken ist ganz fest in uns verankert, weil wir uns nicht gesehen, nicht wahrgenommen, nicht geliebt fühlen. Es ist ein sehr schmerzhaftes Gefühl, dass wir nur ungern wahrnehmen. Oft hängt der Mangel mit Glaubenssätzen, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben, zusammen.

“Wir wollen den Schmerz nicht fühlen und lenken uns ab. Wir holen uns die Fülle in Form von Essen, Alkohol, Arbeit, Zigaretten. Wir verkaufen uns diese Angewohnheiten als etwas Positives, als Belohnung und damit überdecken wir nur unsere Gefühle, die wir nicht wahrhaben wollen. Unseren innerlichen Mangel überdecken wir mit der Fülle an Lebensmitteln, die angeboten wird.

Irgendwann reagiert der Körper auf das “Zu viel” mit Übergewicht.

Am Anfang sind es vielleicht nur einige Kilo und die Hose kneift ein bisschen oder man kauft einfach eine neue Größe.

Mit der Zeit wird es immer mehr und mehr, bis man dann irgendwann die Augen nicht mehr davor verschließen kann,

weil man gesundheitliche Probleme hat oder sich ganz einfach nicht mehr wohlfühlt. 

Das Mangelgefühl verstärkt sich, denn mit Übergewicht ist man ja “noch” weniger liebenswert und der einzige Ausweg ist eine Diät. 

Wo führt das hin? Vom Mangel in den Mangel! Jetzt ist Verzicht angesagt und wenn es mir schlecht geht und ich traurig bin, darf ich noch nicht mal mehr die Schokolade essen. Und auf Schokolade verzichten, wo ich die doch so dringend brauche? Und überhaupt ist das ja alles viel zu wenig, was ich da essen darf. Bei der einen Diät muss ich auf Kohlenhydrate verzichten, bei der anderen Diät darf ich nicht zu viel Fett essen. Bei der nächsten muss ich Kalorien zählen, bei der anderen Pünktchen. Ich darf nicht gegen die Regeln verstoßen, denn dann bin ich schwach und undiszipliniert. Überhaupt der Zucker, ein Leben ohne Zucker ist doch kein Leben mehr. 

Mangel, Mangel, Mangel wohin man sieht. Gute Gefühle sind da Mangelware. Und damit ist seelischer und körperlicher Stress vorprogrammiert. 

Die Pfunde sollen schnellstmöglich verschwinden und danach möchte ich wieder mein altes Leben zurück und essen, was ich so dringend brauche. Damit ist dann der JoJo-Effekt vorprogrammiert.

Und wir haben verlernt, dass wir uns mit uns selbst auseinandersetzen, dass wir spüren, was brauchen wir jetzt gerade im Moment wirklich. Gefühle unterdrücken wir am allerliebsten, weil es oft weh tut sie zu spüren. Anstatt die Gefühle wirklich zu fühlen, stopfen wir uns lieber mit Essen voll. Leider ist das “Wohlgefühl” durch Essen nur von kurzer Dauer. 

Was lässt uns wirklich zum Essen greifen? Ist es HUNGER oder nur Langeweile, Entspannung, Belohnung, fehlende Zuwendung, Hunger nach Liebe?

So genau wissen wir das meistens nicht. Warum? Weil wir ohne nachzudenken zum Essen greifen, das hat ja bisher immer geholfen, wenn auch meistens nicht für einen längeren Zeitraum. Essen kann uns kurzzeitig ein gutes Gefühl geben, löst jedoch keine Probleme und ist schon gar kein Ersatz für Liebe und Zuwendung.

Wie stellst Du nun fest, was sich da gerade in Dir abspielt? Das Zauberwort ist ACHTSAMKEIT! Achtsam beobachten, was gerade in Dir vorgeht. Achtsam dafür werden, wann und warum Du isst. Achtsam Deine Gefühle sehen, wichtig nehmen und annehmen. Achtsam überlegen, was brauche ich jetzt, wie kann ich mir das geben, was ich brauche. Hilft es eine Freundin anzurufen, hilft es sich selbst mal in den Arm zu nehmen, ein schönes Musikstück zu hören, ein gutes Buch zu lesen, einen schönen Spaziergang zu machen?

Was bist Du Dir wert? Was ist Dir Dein Körper wert?

Was ist Dir Deine Gesundheit wert? Was ist Dir Dein Leben wert?

Die wirkliche Fülle steckt in Dir, kommt aus Dir heraus und Du kannst lernen sie wieder zu spüren.

Und das ist ein so wundervolles sattes Gefühl, ganz ohne Kalorien 😉 

Ich habe es echt satt …

Gabi Grosmann

Expertin für Leicht Sein

Ich habe es echt satt!

Es ist unglaublich, was da passiert und wie wir von der Lebensmittelindustrie und den Medien ohne Skrupel gesteuert werden. 

Wir leben in einem Paradoxon.

Über 800 Millionen Menschen hungern weltweit, über 2 Millionen Menschen sind mangelernährt, gleichzeitig ist jeder 3. Mensch zu dick und 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel werden jedes Jahr weggeworfen. Wie kann das sein?

Seit Erfindung der Kochkunst 

essen die Menschen doppelt so viel wie die Natur verlangt.

(Benjamin Franklin)

In unserer Wohlstandsgesellschaft wird alles dafür getan, dass die Menschen noch dicker werden. Die Lebensmittelindustrie ist der Meinung, dass jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist und selbst entscheidet, ob er ein Produkt kauft oder nicht. Allerdings wird durch manipulative Werbung alles dafür getan, dass die Produkte an den Mann bzw. an die Frau kommen. Ganz abgesehen von der Werbung, die für Kinderprodukte entwickelt wird. Der AOK Bundesverband beauftragte – gemeinsam mit der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (Dank) – die Universität Hamburg mit einer > Studie zur Lebensmittelwerbung< . Das Ergebnis wurde im März 2021 veröffentlicht. Kinder schauen pro Tag durchschnittlich 15 Werbespots und -anzeigen für ungesunde Lebensmittel in Fernsehen und Internet. Rund 92 Prozent dieser Werbung beziehen sich danach auf Süßigkeiten oder Fast Food. D. h. Adipositas wird bereits im Kindesalter angelegt. Keiner spricht darüber, dass Zucker süchtig macht! Es ist tragisch, dass in unserer Gesellschaft Zucker en vogue ist und als ganz normales Lebensmittel gilt. Die Zuckersucht wird nicht als eine solche erkannt und Betroffene stehen da. Und um es ganz klar zu sagen, Zuckerersatz und süße Alternativen bieten zwar weniger Kalorien und Abwechslung sind jedoch nicht immer gesünder.


Grund für den Status Quo sind die Marketingüberlegungen der Industrie: “Gezuckerte Produkte sind für Unternehmen etwa viermal so profitabel wie Obst und Gemüse. Auch deshalb fällt es den großen Unternehmen so schwer, sich von diesem Portfolio zu verabschieden.”, so der Foodwatch-Sprecher, Dario Sarmadi.


Und da gibt es ja auch noch Fertigprodukte, die uns schmackhaft gemacht werden. Ganz besonders schlau ist es, wenn ein Konzern ein Abnehmkonzept hat und dazu noch seine eigenen Produkte entwickelt. Abnehmen ohne zu verzichten nennt sich das dann und es wird uns vorgegaukelt, dass wir alles doch nur Produkte dieses Unternehmens kaufen müssen und dann endlich schlank werden. Kalorienzählen gibt es dort nicht, lediglich Punkte. Das hört sich doch viel angenehmer an. Das “New England Journal of Medicine“ veröffentlichte einen Artikel,  in dem es hieß, wenn wir auf diesem Kurs bleiben, werden am Ende des Jahrzehnts 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten fettleibig sein. In einem Interview mit dem Fokus spricht die CEO des besagten Konzerns davon, dass das eine große Verantwortung sei. Das finde ich auch! Es fällt mir nur schwer, das zu glauben, wenn ich den Umsatz von 1.378,1 Mill. weltweit sehe. Denn eins muss uns ja klar sein, der Industrie ist unsere Gesundheit egal. Hier steht der Profit an allererster Stelle.

Die Rolle der Medien

Zum einen wird adipösen Menschen vorgeworfen, sie seien selbst schuld an ihrem Übergewicht, nach dem Motto “Man muss ja nur weniger essen und sich mehr bewegen, dann bekommt man das auch in den Griff.” oder “Man muss halt diszipliniert sein, dann funktioniert das auch.” Und um das Ganze dann noch zu krönen, werden ständig neue Diäten veröffentlicht, die man ja nur befolgen muss und dann verschwindet das Übergewicht in Nullkommanix. Viele Menschen verzweifeln an Diäten und glauben, dass sie selbst schuld daran sind, wenn die Diät nicht hilft. Andere schaffen es doch auch, warum klappt es bei mir nicht. Wenn man z.B. in Facebook-Gruppen von den ganzen Erfolgen liest, dann fühlt man sich ganz schnell mies und bekommt das Gefühl, dass man ein Loser ist. Dabei scheitern 95 % aller Diäten, d.h. nur 5 % sind erfolgreich. Und diese 5 % begegnen uns dann überall.

Apropos Loser, da gibt es ja auch noch die Show “The Biggest Loser”, die uns vorgaukelt, dass es mit Disziplin ganz leicht ist Gewicht abzunehmen und derjenige, der am diszipliniertesten war, erhält dann auch noch 50.000 Euro. Was für ein Hohn und wie wird dort mit den Gefühlen von Menschen gespielt. Die Ergebnisse dieser Sendung sind in den meisten Fällen nicht nachhaltig, denn nach der Staffel sind die Teilnehmer wieder sich selbst überlassen. Für eine Studie des National Institutes of Health wurden die 14 Teilnehmer der achten Staffel von “The Biggest Loser” über sechs Jahre begleitet. Im Durchschnitt hatten die Teilnehmer  während der Show 58 Kilogramm verloren und später wieder 41 Kilogramm zugenommen. Hauptsache die Quoten und die Umsätze aus Werbeeinnahmen stimmen stimmen. Schließlich trägt doch jeder die Verantwortung für sich selbst.


Wichtig ist, Du hast keine Schuld!

Du bist nicht unfähig und undiszipliniert! Es war Dir vielleicht bisher nicht bewusst, wie dieses Spiel abläuft! Und ja, wir haben die Verantwortung für uns selbst. Diese Verantwortung können wir jedoch nur übernehmen, wenn wir erkennen, nach welchen Spielregeln wir spielen wollen. Ich habe auch lange Zeit gar nicht wahrnehmen wollen, dass ein Großteil von dem, was in den großen Supermärkten steht, gar nicht (über-)lebenswichtig ist sondern im besten Fall “nice to have”, im schlechtesten Fall meiner Gesundheit massiv schadet. Heute gehe ich durch den Supermarkt und empfinde eine große Freiheit dabei, wenn ich an den Regalen vorbei gehe und denke, dass brauchst Du nicht, dies brauchst Du nicht und jenes brauchst Du auch nicht. Das heißt nicht, dass ich das alles nicht mehr mag und nur noch gesund esse. Nein, nur wenn ich etwas “ungesundes” esse, dann sehr bewusst und mit dem Gefühl, dass ich es nicht brauche, nicht abhängig davon bin.

Doch was ist jetzt das Fazit, was kannst Du als Betroffene tun? Wie kommst Du aus dieser Schleife heraus? Wie kannst Du das erreichen? Nicht mit Verboten! Du kennst das, dass was verboten ist, ist besonders attraktiv! Für mich ist der Schlüssel zu allem die Achtsamkeit und mit der Achtsamkeit kommt das Bewusstsein. Fang doch mal an und lies genau, was auf der Zutatenliste steht, wenn Du einkaufen gehst. Oft steht Zucker an erster oder an zweiter Stelle. Wusstest Du z. B., dass in Fertig-Tomatensaucen oft sehr viel Zucker enthalten ist? Nimmst Du gehackte Tomaten und würzt selbst, dann wirst Du sehr wahrscheinlich keinen Zucker an die Sauce geben. Ja, ich weiß, es ist ein bisschen mühselig, wenn man anfangs die Zutatenliste studiert. Möglicherweise dauert der Einkauf erst mal ein bisschen länger, doch langfristig gesehen, lohnt es sich!

Wenn Du Dich mit Deinem Essen beschäftigst, bist Du nicht mehr Opfer der Lebensmittelindustrie.

Du entscheidest ganz bewusst, was auf Deinen Teller kommt und was nicht. Damit holst Du Dir ein großes Stück Freiheit zurück und nach und nach wirst Du auch an Gewicht verlieren. 

Du bist nicht alleine und wenn Du Unterstützung in einer Community suchst,

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